Pendler – Aufstieg durch Eigenleistung. In Kooperation mit Christoph Srb. // Commuter. (Ascendancy on personal account.) In cooperation with Christoph Srb. | Peter Fritzenwallner

Pendler – Aufstieg durch Eigenleistung. In Kooperation mit Christoph Srb. // Commuter. (Ascendancy on personal account.) In cooperation with Christoph Srb.

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Pendler.
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Commuter.

Eine freiwillige Person wird auf einer Personenwaage gewogen. Daraufhin wird das Doppelte des Körpergewichts in Form von Hantelscheiben
als „Gegengewicht“ in die Gewichtkiste am Ende des Stahlträgers gelegt.
Dieser Träger kann auf der zentralen vertikalen Stütze waagrecht aufliegend, wie der Balken einer Waage auf und ab wippen und aufgrund der präzisen Lagerung auf Kugellagern, auch einfach wie ein Rotor gedreht werden.
Am anderen Ende des Trägers ist das Fahrrad (hängend) fixiert. Dieses wird durch festes Treten der Pedale in Bewegung versetzt.

Fahrrad und Körper beschreiben nun eine kreisrunde Bahn. Die Person wird im Glauben belassen, das finale Abheben vom Boden durch eine möglichst hohe Kraftanstrengung erreichen zu können. Durch die zunehmende Umdrehungsgeschwindigkeit steigt die Fliehkraft und drückt schließlich das Gegengewicht um wenige Zentimeter nach außen.

Dies reicht aus, um den Fahrradfahrer sanft vom Boden abheben zu lassen.
Das schweißtreibende Treten kann nun endlich unterbrochen werden, Fahrrad und Körper schweben wie ein Satellit um die zentrale Stütze, immer höher. Aufgrund der präzisen Konstruktionsweise der Kugellager und der großen Masse des Stahlträgers (mitsamt Fahrrad und Mensch), reicht die anfänglich „erarbeitete“Energie für ein bis zu halbstündiges Kreisen um die Zentralachse aus.

(Währenddessen: Der Puls in den Ohren, dann totale Stille. Vielleicht das Rauschen des Windes.)

Je nach Bodenbeschaffenheit und Witterung (Schnee, Nässe, Wind), wird das anfängliche „Aufbringen“ der Energie erschwert oder erleichtert.
Tatsächlich wird das Verschieben des Gegengewichts jedoch nicht durch das Erreichen einer gewissen Geschwindigkeit eingeleitet, sondern durch eine außenstehende Person willkürlich per „remote-control“ verursacht. Das „Abheben“ wird also „durch eine unbekannte Instanz“ verursacht, die fahrradfahrende Person glaubt einen Einfluss darauf ausüben zu können, ist aber machtlos.

Die von der Person erreichte Geschwindigkeit hat aber sehr wohl eine Auswirkung auf die Anzahl der Umdrehungen, die Dauer des Fluges, denn mit schwindender Geschwindigkeit sinkt das Fahrrad langsam wieder zu Boden.
Der fahrradfahrende Mensch glaubt für das Abheben und den Aufstieg selbst verantwortlich zu sein und müht sich ab, wurde vom Konstrukteur/Künstler aber nicht
über die volle Funktionsweise informiert. Dass das Verschieben des Gegengewichts um einige Zentimeter, also der minimale Gewichtsunterschied von einigen Gramm, der für das Abheben des Fahrrads verantwortlich ist, im Geheimen und durch fremde Hand verursacht wurde (also nicht wie vom Probanden angenommen durch eine selbst erbrachte Leistung), entlarvt das scheinbar demokratische Funktionieren des Systems – also ein totalitäres Funktionsgefüge hierachischer Abhängigkeiten, dem der Betrachter/Benutzer/Proband ausgeliefert ist.

(Peter Fritzenwallner)

Setting:

-Eine karussellhafte Apparatur aus Metall;
-Ein Fahrrad, erworben von einem Bayern, der dieses Fahrrad wiederum in China erwarb, um damit durch das Land zu reisen.
-Ein Grill, gefertigt aus dem Gepäckträger des Fahrrads;
-Eine provisorisch zusammengezimmerte Gartenlaube als temporärer Ausstellungs- und Inforaum. Dieser wurde konstruiert um einen Kontext;
für das Werk zu schaffen. (ZVZGKM-Zentrum zur Vermittlung zyklischer Geschichtsbilder in den Künsten und Medien), diverse Referenzen zu C. Burdens „flying
steamroller“,
Sisyphos, „corpus“ von Jean-Luc Nancy, LaMettrie’s Denken , dem Buch „Jungesellenmaschinen“ „ von H. Szeemann, etc.)
-Eine Personenwaage;
-eine mobile Toilette (locus solus)das Gewicht eines Körpers
Bei einem Gewicht von 79 kg muss der Gegengewichtskorb mit dem doppelten Gewicht, also 160 kg bestückt werden.

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Diese Hütte ist unser Parlament.
Dimensionen variabel.
Holz, Metall, Papier, Zeichnungen, Literatur, Texte, etc.
2010
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This pergola is our parliament .
CMCHAM (Centre for the Mediation of Cyclic History-images in Arts and Media).
Dimensions variable.
wood, metal, paper, drawings, literature, texts, etc.
2010

DSC_0216DSC_0503Locus Solus
200x70x80 cm
Holz, Zeichnungen, Lack, Eimer, Ausscheidungen.
2010
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Locus Solus
200x70x80cm
wood, drawings, laquer, basket, excrements.
2010

DSC_0630DSC_0639DSC_0863DSC_0904Thanks to:

Bernard Ammerer, Gernot Petjak, Gregor Pirker, Markus Proschek, Christian Schlechter, Thiemo Striebel.

DSC_0859DSC_0007Das Team der Abteilung für Metalltechnologie an der Universität für Angewandte Kunst Wien unterstütze uns beim Bau der Installation. Herr Julk fräste die Hülsen für die Kugellager und Bolzen.
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Supported by the Institute of metal-technology / University for Applied Arts Vienna.
Thanks to Mr. Julk, who lathed the bearing’s shells.

Thanks to Mrs. Anna. (She helped us welding the construction.)

Last but not least: Mr. Korischun. (He fitted in the bearings perfectly.)

 

 

 

 

 

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