Chrissi. Zwischen Lavanttal und Berghain.

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Wie ich den Mädchen aus der WhatsApp- Gruppe in ihren fürchterlichsten Träumen erscheine.

Chrissi‘s Rache.
(im Souvenirshop.)

 
Im Rahmen einer Gruppenausstellung zum 100. Geburtstag der Kärntner Dichterin Christine Lavant im Kunstraum Lakeside in Klagenfurt, wurde ich von der Kuratorin Hemma Schmutz eingeladen eine Performance zu realisieren.

Plot:

 

Chrissi, eine 17 jährige Gymnasiastin, gespielt von Peter Fritzenwallner, arbeitet als Ferialpraktikantin im Robert-Musil-Archiv. Sie muss einen Souvenirshop für Christine Lavant- Praphernalien betreuen. In ihrer Frustration hat sie die Souvenirs durch Steine ausgetauscht, die sie in einem Bachbett gefunden hat. Im Musil-Archiv, auf dem
Souvenirverkaufstisch, liegen nun diese Steine, der Größe nach geordnet. Sie ist eine Außenseiterin in ihrer Klasse, denn sie lebt eher zurückgezogen, liest viel, ist etas übergewichtig.

Chrissi ist auch Christine Lavant-Fan, sie hatte sich eigentlich im Robert-Musil-Archiv für ein Praktikum beworben um an alle Texte Lavants heranzukommen, doch es war nur noch die Tätigkeit als Verkäuferin im Lavant-shop vakant.

Sie hasst die diese Vermarktung. Deshalb die Steine.
Das junge Mädchen verletzte sich im Juni im Sportunterricht. Beim Hürdenlauf stürzte sie beim Überklettern einer Sprossenleiter und brach sich den Arm. So wurde sie endgültig zum Gespött ihrer Mitschülerinnen. Diese gründen eine WhatsApp-Gruppe, in der sie online über Chrissi herziehen, sie mobben. Chrissi versucht sich davon zu distanzieren,
doch da sich im Jahr 2015 das wesentliche Soziale Leben junger Mädchen und Jungen in sozialen Netzwerken wie WhatsApp abspielt, ist Chrissi doch den Attacken ihrer Altersgenossinen schutzlos ausgeliefert.
Chrissi beschäftigt sich in ihrer Lavant- Lektüre besonders mit  Lavant‘sAuseinandersetzung mit „Gott“ in der Alltagssprache des mittleren 20.Jh. in Kärnten. Lavant prangert in ihrer Lyrik die moralisch-strukturelle „Durchtränktheit“ der
kärntner Alltagssprache an, der katholisch-moralisch-geprägte Gottbegriff prägt die Grammatik und die in der Alltagssprache verwendeten Begriffe. Diese Alltagssprache dient zur Bildung von Konventionen und zur Bildung von ein- sowie ausgrenzenden Kategorien. Mithilfe dieser Kategorien urteilten die Menschen auch über „den Freak“ Lavant. So hasste sie diese Leute und auch diese Sprache. Man könnte sagen, dass der Gottbegriff der Menschen im Medium der Sprache, des Mediums wohnt. Oder dass die Sprache der Leute ihr Gott ist, denn sie formen den Gott in ihrer Sprache, das Medium ist Gott.
Diese Fesstellung über das Medium als „Gott“ überträgt Chrissi in der Performance nun auf WhatsApp – sie prangert das Medium an. Doch nicht es zu meiden gilt es, sondern im Medium selber tätig zu werden. So wird eine neue Erzählebene in die Performance eingeführt.

2 Frauen aus dem Publikum halten einen Banner mit dem darauf abgebildeten
WhatsApp-Logo und beschimpfen den (Performer (Fritzenwallner)), der Chrissi verkörpert, sie beschimpfen also Chrissi.

Nun schlüpft der (Performer (Fritzenwallner)) in einer erneuten Meta-erzählebene in die Rolle des Geistes von Christine Lavant der den dissenden Mädchen aus der WhatsApp-Gruppe in deren Träumsen erscheint. Sie trägt ein Modell eines Hauses auf ihrem Kopf, rund herum hängen vom Dach Begriffe aus ihrer Lyrik, sie erscheint den Mädchen
in den Träumen und droht ihnen mit gröbsten Verstümmelungen und dem brutalen Umbringen, wenn sie es nicht unmittelbar unterlassen, Chrissi zu dissen. Ihre Traumdrohungen zeigen Wirkung. Chrissi kann sich wieder emanzipieren.
Die Mädchen begegnen ihr mit Respekt, doch sie hat keine Lust sich mit den Girls abzugeben und widmet sich weiter ihrerm Hobby, der Christine-Lavant-Lektüre und dem Bauen von kleinen utopischen Architekturmodellen sowie entdeckt sie nun auch die Stadt Berlin und die Clubs mit den ganzen Jungs drin, dort.

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