Ulta Chilla | Peter Fritzenwallner

Ulta Chilla

DSC03738Performance, Kriti Gallery, Varanasi, India, 2014.DSC03926DSC03838DSC04295DSC04184DSC03897DSC04208

 

Ulta Chilla___(Kaiserschmarren)___ ein ReReRekolonialisierungsversuch.
Ende Oktober 2014 fuhr ich von Kathmandu mit dem Fahrrad nach Varanasi, um dort meinen einmonatigen Stipendiumsaufenthalt in der „Kriti Gallery“ zu beginnen. Während der Fahrt ernährte ich mich aus Zeit- und Geldgründen ausschließlich von Essen, dass direkt am Straßenrand zubereitet wurde. So lernte ich in einem angenehmen Tempo die indische Kultur kennen.
Man sollte nicht schneller reisen, als es der eigene Körper, die eigenen Muskeln es zulassen. Jeder in Indien hat das Recht, in der Öffentlichkeit ohne weitere Genehmigung zu kochen und die zubereiteten Speisen auch zu verkaufen. Während meines Aufenthaltes in Varanasi probierte ich weiterhin jegliches „streetfood“ aus. Ich hatte keinerlei Probleme mit der Verdauung. Ich wurde etwas übermütig und war stolz auf die „Unerschütterlichkeit
meines Magens.
Doch Mitte November, nach dem Genuß einiger „bani-buris“, es handelt sich dabei um tischtennisballgroße, trockene Teigkugeln, die mit scharfer Kartoffelpaste und gewürztem Wasser gefüllt werden, überkam mich eine plötzliche, noch nie vorher dagewesene Übelkeit, die mich zum pausenlosen Hin- und Herwandern zwischen Toilette und Bett zwangen.
Es folgte ein einwöchiger, starker Durchfall.

Während meiner Krankheit hatte ich viel Zeit nachzudenken, und so kam ich auf die Idee, doch selbst auf der Straße Essen zu kochen. Es sollte sich dabei um einen kleinen kulinarischen – Rekolonialisierungsversuch der indischen Kultur handeln.
Es war mir sofort klar, dass ich ein klassisches österreichisches Gericht kochen würde. Über eine Woche lang probierte ich verschiedene Gerichte in der Küche der Kriti Gallery aus. Ich kochte Pinzgauer Kasnocken, Salzburger Nockerl, „Owischneidnidei“, Palatschinken. Nach einer Diskussion mit der Galeriebetreiberin, Frau Petra Manefeld, kam ich zu dem Punkt, dass es nur ein Gericht sein konnte: Kaiserschmarrn.

Ich entwickelte eine eigene Variante mit Geriebenen Äpfeln, Rosinen, Zimt und einer Schicht aus Eischnee.
Die Kriti-Gallery unterstützte mich bei der Beschaffung eines Standwagerls mit Lehmofen, und der Beschaffung der Zutaten. Ebenso stellten sie den Kontakt zur örtlichen Presse her und kündigten meine Aktion auf Facebook an.
Ebenso übersetzte der Galerist, Ravneet Nahman, „Kaiserschmarrn“ ins Indische, zu „Ulta-Chilla“ Was so viel heißt wie „König-Scherz“.

Ich malte daraufhin in den Tagen der Kochaktion ein 1x2m großes Werbeschild welches die Aktion und das Gericht weit sichtbar anpries. Die Aktion fand schließlich am Mittwoch in der letzten Novemberwoche 2014, auf der Straße vor der Kriti-Gallery statt.
Der indische Subkontinent wurde von den Briten kulturell und wirtschaftlich kolonialisiert. Im 20. Jh. „rekolonialsierten“ die Inder Europa und Amerika wiederum durch ihre Koch- und Musikkultur.

Meine Aktion könnte als eine ironische und kulinarische „Re-Re-Kolonialisierung“ der indischen Kochkultur gesehen werden.

Ich verkaufte jede Portion um 5 Rupien, das entspricht ca. 10 Eurocent. Ich verkaufte über den Tag hinweg 240 Portionen. So konnte ich die Materialkosten decken, dem Standbesitzer einen guten Mietpreis inkl. Trinkgeld zahlen und auch noch einen kleinen Gewinn erwirtschaften. Für Sadus und Arme war das Essen selbstverständlich gratis.

 

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